Chemnitz - im Wandel der Zeiten :: v.1.0 :: 01.10.03  
 
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10. Verkehr

Der Flughafen und der Flugbetrieb über Chemnitz

 Luftfahrtpioniere aus Chemnitz
Der Erste Flugtag 1911
Der Neue Flughafen an der Stollberger Straße
Der Niedergang

 Der Flughafen und der Flugbetrieb über Chemnitz  
 
Flughafen 1930 - Postkarte
Flughafen 1930 - Postkarte
  Quelle: www.historisches-chemnitz.de mit freundlicher Genehmigung, Frank Harreck-Haase

"Wer heute stadtauswärts in Chemnitz ins Fritz-Heckert-Gebiet fährt, dem begegnet inmitten der Plattenbauten ein merkwürdiges Bauwerk. Bruchsteine, gestreckt wie eine Omnibushaltestelle: Was der Vorbeifahrende hier sieht, ist der letzte Rest des ehemaligen Flughafens in Chemnitz." (Dr. Gerd Richter)

 Luftfahrtpioniere aus Chemnitz  
 
Fotografie vom 28.11.1909 - Die Taufe des Ballon "Chemnitz" vor seiner Fahrt Richtung Schneekoppe, begleitet von den Ballonen "Leipzig", "Graf Zeppelin" und "Plauen"
Fotografie vom 28.11.1909 - Die Taufe des Ballon "Chemnitz" vor seiner Fahrt Richtung Schneekoppe, begleitet von den Ballonen "Leipzig", "Graf Zeppelin" und "Plauen"

Postkarte anläßlich der Chemnitzer Flugtage und des Sachsenrundfluges 1911
Postkarte anlässlich der Chemnitzer Flugtage und des Sachsenrundfluges 1911
Seit 1896 gab es in Chemnitz den Verein für Luftschifffahrt. Luftfahrzeuge nach dem Prinzip "leichter als Luft", also Ballons und Luftschiffe, berührten Chemnitz schon vor dem ersten Weltkrieg. So gab es einige rührige Ballonsportclubs mit eigenen Gasballons, wie z. B. in Limbach. Amtlich wurde damit keine Post befördert, es sind aber verschiedentlich "Abwürfe" bekannt. Die Finder dieser Karten wurden gebeten, diese in den Briefkasten einzuwerfen. Meist ist daher der Abwurfort identisch mit dem Ort des Poststempels.

Ein Luftschiff überfuhr unseren Raum erstmals 1909, es war LZ 6 (auch Z III genannt) auf der Fernfahrt München-Berlin am 28. August 1909. Die erste Landung führte das Luftschiff P 5 in der halbstarren Bauart nach August von Parseval auf dem Sportplatz Chemnitz-Altendorf durch. Das Großluftschiff LZ 11 "Viktoria Luise" nach der starren Bauart des Grafen Zeppelin landete am 21. August 1912 von Gotha kommend in Chemnitz. Die damals vertriebene Postkarte mit dem Luftschiff über Zwickau weist mit dem 20.8.1912 eine falsche Datumsangabe aus.

Die meisten Fahrten führten dann vom Heimathafen Leipzig aus das LZ 17, die "Sachsen", in unseren Raum. So wurde im Juli 1913 Zwickau, im August 1913 Plauen und das obere Vogtland und Chemnitz, im September Limbach und im Oktober 1913 das obere Erzgebirge mit Landungen in Schwarzenberg.

In den Werdejahren der deutschen Fliegerei, zwischen 1909 und 1912 mischten Chemnitzer Luftfahrtpioniere kräftig mit. Zu den Konstrukteuren von Flugmaschinen aus jener Zeit gehörten Max Adelmann und Haves, Gotthard Gruner, Friedrich Günther, Max Kluge und Max Schüler. Als tollkühne Piloten sind Felix Laitsch, Ludwig Kammer und Ernst Kunze in Erinnerung geblieben.
Das Versuchsfeld war der "alte" Flugplatz, der Exerzierplatz an der Zschopauer Straße,  gegenüber der Pappelstraße.

1910 wird in den Fachzeitschriften vom "Aeroplan" gesprochen, einem Eindecker mit tiefliegenden Führersitz, ein Fluggerät des Chemnitzers Max Schüler. Ebendieser Max Schüler unternimmt seinen ersten Flugversuch im Januar 1910 auf einen Doppeldecker (12,5 Meter Spannweite und 52 m² Tragfläche), der konstruktionsmäßig an die Gebrüder Wright angelehnt war. Dieses Fluggerät ließ er in der Schlosserei Uhlig in Grüna bauen.

Der nächste Chemnitzer Pionier war der Ingenieur Haves, der 1910 seinen ersten Versuch unternahm und scheiterte. Am 22.Januar 1911 gelang ihm jedoch mit einen Eindecker der Chemnitzer Bernhard Firma Escher eine Flughöhe von drei bis fünf Metern und eine Flugweite von einigen hundert Metern.

Weitere Versuche unternahmen der Gleitflugapparat von Gotthard Gruner und Friedrich Günther (Höhe 4 Meter, Weite 60 Meter). Ein weiterer Pionier war Ingenieur Max Adelmann, der am 24.Juli 1911 mit einen rein von Chemnitzer Firmen gebauten Doppeldecker erfolgreiche Versuche unternahm.

Wie gesagt, bauten einige Chemnitzer Firmen in diesen Jahren Fluggeräte. Zu nennen sind dabei die Zweigniederlassung der Phönix-Flieger-Werke in der Mühlenstraße, die Riedl-Motoren-GmbH in der Uhlandstraße, die Flugzeugmotorenfabrik Ing. J. Schneeweis, die Werkzeugmaschinenfabrik G.A.Bräuer in der Lerchenstraße und der Gleitfliegerhersteller Hayn & Leilich.

An der Staatlichen Akademie für Technik (heute Technische Universität) wurde ab 1910 Flugwesen fakultativ in Verbindung mit Konstruktion und Modellbau gelehrt.

 Der Erste Flugtag 1911  
 

Erster Flugplatzstempel im damaligen Deutschen Reich , verwendet am 21. und 22. Mai 1911 im Sonderpostamt in einer Scheune an der Reichenhainer Straße


Erster Flugplatzstempel im damaligen Deutschen Reich , verwendet am 21. und 22. Mai 1911 im Sonderpostamt in einer Scheune an der Reichenhainer Straße

Der Erste Flugtag in Chemnitz und damit die erste Luftfahrt-Veranstaltung nach dem Bauprinzip "schwerer als Luft" fand am 21./23. und am 29. Mai 1911 auf dem alten Flugplatz an der Zschopauer Straße (landwärts links Höhe Pappelstraße) statt. Die Bedingungen waren damals schwierig, denn bei dem vorherrschenden ungünstigen Witterungsbedingungen konnten die Leinwand-Bespannten Flugapparate nicht starten. So konnten erst am Abend des 21.Mai die Piloten einige Runden fliegen.

Bei der Anreise stellte der Leipziger Aviatiker Müller eine beachtliche Leistung auf. Nach dem Start in Leipzig umflog er das im Bau befindliche Völkerschlachtdenkmal und flog ohne Unterbrechung bis in die Nähe von Zwickau. Wegen aufkommenden Nebels mußte er in einem Kleefeld notlanden, wobei sein Thiele-Doppeldecker zu Bruch ging.

An den Wettbewerben nahmen berühmte Piloten, wie Hans Grade, Bruno Büchner, der Chemnitzer Felix Laitsch, Otto Lindpaintner und andere, mit Ein- und Doppeldeckern der Fabrikate Grade. Wright, Harlan, Morane, Albatros und Farman teil.

Am 22. und 23. Mai fanden mehrere Wettbewerbe statt, für die Preise in beachtlicher Höhe ausgesetzt waren, so unter anderem ein "Überlandflug" nach Adelsberg und nach Limbach und zurück. Der große Rundflugpreis am 22.5. mußte wegen des böigen Windes ausfallen.

Eine Postbeförderung gab es noch nicht. Es wurden aber mehrere attraktive Sonderkarten aufgelegt, und in einer kleinen Posthilfsstelle in einer Scheune am damaligen Startplatz,  einer Wiese an der Reichenhainer Straße, wurde der erste Flugplatzstempel im damaligen Deutschen Reich verwendet, der heute kaum noch aufzufinden ist.

Am 24. Mai schließlich wurde der Sachsenrundflug mit der Etappe nach Dresden gestartet  die von Schauenburg nach einem Flug von nur 53 Minuten gewonnen wurde. Die weiteren Etappen führten schließlich über Leipzig und Plauen nach Chemnitz. Die Flugtage fanden ihren Abschluss mit der Auszeichnung der Sieger am 29. Mai. Gewinner des Großen Rundfluges wurde der Chemnitzer Felix Laitsch.

 Der Neue Flughafen an der Stollberger Straße  
 
Ansicht des Flughafengebäudes von 1928
Ansicht des Flughafengebäudes von 1928

Der Flughafen, hier "Flughof" genannt auf einer Postkartenansicht  um 1930
Der Flughafen, hier "Flughof" genannt auf einer Postkartenansicht  um 1930

Luftaufnahme aus den zwanziger Jahren

Luftaufnahme aus den zwanziger Jahren

Am Sonntag, dem 2.Mai 1926 wurde bei wolkenverhangenem Himmel der Chemnitzer Flughafen an der Stollberger Straße eingeweiht.

Das "Chemnitzer Tageblatt" berichtete: "Man schritt zur Rechten und Linken der Chausee zu vieren, sechsen und achten dahin, so daß die zahllosen Auto-, Motorrad- und Radfahrer mitunter Mühe hatten, sich einen Weg durch die hinausströmende Völkerwanderung zu bahnen"
Ein Extra-Autoomnibus-Verkehr war für diesen Tag vom Falkeplatz aus eingerichtet worden.

Nach feierlichen Reden des Bürgermeisters Walter Arlart als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Chemnitzer Flughafengesellschaft  und der Honoratioren - "konnte man infolge des Brummens der Motore und des auf- und abflutenden Verkehrs oft nicht verstehen"  taufte der Chemnitzer Verein für Luftfahrt und Flugwesen e.V. mit einen Glas Sekt ein eigenes Flugzeug auf den Namen "Chemnitz".

Bürgermeister Arlart sagte: "Von morgen an wird Chemnitz an das Flugnetz und damit an den Weltflugverkehr angeschlossen sein."

Danach zeigten die Piloten bei Loopings, Postsachzielabwurf und Hindernisslandungen ihr Können. Der Höhepunkt war ein Flugzeugrennen über 100 km, daß der Pilot von Manteuffel auf einer Heinkel gewann.

Streckenübersicht des Chemnitzer Flughafens in einen Stadtführer von 1928
Streckenübersicht des Chemnitzer Flughafens in einen Stadtführer von 1928
Am 3.Mai 1926 wurde der reguläre Flugverkehr aufgenommen. Die ersten Linien waren:

1. Chemnitz-Plauen-Fürth-Nürnberg (mit Anschlüssen nach München, Zürich, Wien und Budapest)

2. Chemnitz-Leipzig-Braunschweig-Hannover-Bremen (mit Anschlüssen nach Dortmund, Essen, Krefeld und Düsseldorf)

3. Chemnitz-Dresden.

Auf Grund der Beschaffenheit der Start- und Landebahn war der Flugverkehr zunächst nur in der schneefreien Zeit möglich. Im September 1926 erfolgten jeweils 216 Starts und Landungen. 1930 hatte der Flugverkehr in Chemnitz mit 4806 Starts und Landungen, der Beförderung von 9783 Fluggästen und etwa 90000 Kilogramm Post-, Fracht- und Zollgut seinen Höhepunkt erreicht. In den folgenden Jahren ging er rapid zurück. (Dr. Gerd Richter)  

Landung eines Luftschiffs am 16.11.1930 in Chemnitz
Landung eines Luftschiffs am 16.11.1930 in Chemnitz

Luftpostkarte von der "Graf Zeppelin"
Luftpostkarte von der "Graf Zeppelin"

Die erste Direktverbindung ins Ausland fand erst im April 1927 statt. Die mit diesem Flug beförderten Karten und Briefe erhielten in Chemnitz einen amtlichen roten rechteckigen Sonderstempel.
Der erste Rückflug war erst zwei Wochen später am 2. Mai, wurde aber nicht durch besondere postalische Stempel gewürdigt.

Im Oktober 1932 führte das damals größte Landflugzeug der Welt, die viermotorige Junkers G 38 einen Werbeflug in 20 Städte des damaligen Reiches durch. Am 15. Oktober landete das Flugzeug, von dessen Typ nur zwei Maschinen gebaut wurden, in Chemnitz. Nach 4-tägigem Aufenthalt mit Rundflügen und einem Flug nach Zwickau startete die G 38 weiter nach Berlin.
Die Postsendungen erhielten an Bord einen zusätzlichen roten Bordstempel zur Bestätigung der Beförderung mit der G 38. Von Leipzig nach Chemnitz wurden allerdings lediglich 30 Briefe befördert.

Für den historisch Interessierten ist erwähnenswert, daß es einen regulären Poststempel "Chemnitz-Flughafen" gab, der aber nur an bestimmten Tagen im Einsatz war, da das Postamt nicht ständig besetzt war. Für die eingehende Post gab es Bestätigungsstempel, meißt in roter Farbe, so in Chemnitz 1 (2 verschieden Typen), Zwickau 2 (am Bahnhof) sowie Plauen 1 und Plauen 4.

Da die kleinen Maschinen oft nicht starten konnten, wurde außerdem mehrfach in Chemnitz ein "Verzögerungsstempel" benutzt, um den Postkunden eine Erklärung für verspätete Zuleitung zu geben.

 Der Niedergang  
 

Das Flughafengebäude ist heute noch vorhanden und wird u.a. als Restaurant genutzt. Es ist inzwischen von Großplattenbauten umzingelt - diese Aufnahme stammt von 1991
In den 30er Jahren wurden die Flugzeuge schneller und größer, die Flughöhen ebenfalls größer. Daher lohnte es nicht mehr, solche Kurzstrecken wie zwischen Plauen und Zwickau oder Zwickau und Chemnitz zu befliegen. So wurden die Linienflüge wieder eingestellt, wobei es noch für einige Jahre spezielle Verbindungen nach Leipzig während der Frühjahrs- und Herbstmesse gab. Die Flugplätze wurden mehr und mehr nur noch für sportliche Veranstaltungen und für Rundflüge genutzt.

Mit Beginn des 2.Weltkrieges wurden aller ziviler Flugverkehr in Deutschland eingestellt.

In den Jahren der DDR blieb der Inlandsflugverkehr zwischen 1958 und 1961 eine Episode. Der Flugplatz und die technischen Anlagen dienten zeitweilig der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) zur vormilitärischen Ausbildung. In den siebziger Jahren wurde der inzwischen der GST gehörende Flugplatz nach Jahnsdorf, Kreis Stollberg verlegt. (Dr. Gerd Richter)

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 Stand: 1.1   13.02.07
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