Chemnitz - im Wandel der
Zeiten
:: v.1.0 :: 01.10.03 |
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Quelle: www.chemnitz.de
Bleichprivileg
Agricola
Textilherstellung im 18. Jahrhundert
Sächsisches Manchester
| Bleichprivileg | |
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Am 14. Dezember 1357 wurde das Privileg in Dresden ausgefertigt; in ihm haben die Markgrafen "den bescheiden luten Nykel Manhoubte muentzmeister zcu Friberg, Nykele Schultheissin zcu der Myteweide, Mathis Maltzmeister burger zcu Kempnitz unde Hentzel Randecken burger zcu Friberg unsern liben getruwen unde iren erben erloubet, ... daz sie eine bleiche haben sullen unde mugin unde daz nymant mer denne sie alumbe by zehen milen in unsern landen keine bleiche haben sal". |
Außerdem wurde die Ausfuhr von Flachs, Garn und ungebleichter Leinwand aus dem meißnischen Gebiet verboten. Für die Markgrafschaft Meißen war dadurch am Chemnitzfluss nördlich vor der Stadt auf einem Wiesengrundstück von etwa drei bis vier Hektar eine Bleiche eingerichtet worden, die die Voraussetzungen bot, im System von Textilproduktion und -handel eine Zentralstellung einzunehmen.
Auf den umzäunten Rasenflächen wurden die Leinentücher ausgelegt
- um 1400 immerhin jährlich bis zu 130 000 Quadratmeter; Gießknechte gossen aus
einem eigens dazu angelegten Grabensystem Wasser auf die Leinenbahnen. Da der
Bleichvorgang selbst witterungsabhängig war, konnte er mitunter recht langwierig
sein.
Mangelknechte sorgten nach dessen Abschluss für das Glätten der Stoffe. Der
Bleichmeister regelte den produktionstechnischen und kaufmännischen Ablauf. Die
landesherrlichen Ansprüche vertrat ein Bleichrichter. Die Landesherren
vermochten es trotz vielfältiger Anläufe nicht, kleinere und größere Winkel- und
Konkurrenzbleichen, von denen die wichtigsten wohl in Rochlitz und Penig
existierten, zu beseitigen, arbeiteten diese doch meist besser und für die
kleinen Webermeister zu günstigeren Bedingungen.
Blick vom Kaßberg zu den Bleichanlagen an der Chemnitz
| Agricola | |
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Zu den
bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Stadt Chemnitz, ja zu
den Großen in der deutschen Geschichte überhaupt, gehört der am 24. März
1494 in Glauchau geborene Tuchmachersohn Georg Bauer, der seinen Namen - wie
damals unter Humanisten üblich - latinisierte: Georgius Agricola. |
In Chemnitz schrieb er auch sein berühmtes Werk "De re metallica
Libri XII". Postum 1556 in Basel erschienen, ist es ein Klassiker der
Technikgeschichte, kulturgeschichtliches Denkmal der Renaissance und die erste
umfassende Beschreibung von Bergbau und Hüttenwesen der Neuzeit.
"Vom Bergwerk 12 Bücher" war über Jahrhunderte die Standardliteratur für den
Bergbau: Agricola hatte in Freiberg, im damals modernsten Bergbaurevier Europas
geforscht und sich intensiv mit dem Montanwesen beschäftigt.
Das Bild zeigt Georgius Agricola auf dem 1940 entstandenen Gemälde des Münchners
Karl Pindl - es hängt im Treppenaufgang zur Wandelhalle im
Neuen Rathaus; im
Alten Rathaus leitete Agricola zwischen 1546 und 1553 mehrmals als Bürgermeister
die Stadt.
Außer seinen epochalen Schriften über Mineralogie und Geologie
schrieb Agricola auch bedeutende Abhandlungen über Medizin, Maße, Gewichte und
Münzen. Als Arzt, Philosoph, Wissenschaftler, Politiker und Pädagoge wird der
Renaissancemensch Georgius Agricola in einem Zug mit Erasmus von Rotterdam,
Martin Luther, Ulrich von Hutten und Philipp Melanchthon genannt.
24 Jahre verbrachte Agricola bis zu seinem Tode am 21. November 1555 in
Chemnitz. Sein 500. Geburtstag wurde 1994 mit einem Festakt des Freistaates
Sachsen in Chemnitz und mit einer großen Ausstellung würdig gefeiert.
An Georgius Agricola erinnern in Chemnitz eine Straße, eine Skulptur nahe seiner
einstigen Wirkungsstätte, ein Relief am Alten Rathaus und das bereits erwähnte
große Gemälde im Neuen Rathaus. Seit 1991 ist Agricola Namenspatron für das
traditionsreiche Gymnasium am Platz der Opfer des Faschismus, seit Ende Mai 1998
ist ein Interregio-Zugpaar mit dem Namen "Georgius Agricola" zwischen Chemnitz
und der Partnerstadt Düsseldorf unterwegs.
| Textilherstellung im 18. Jahrhundert | |
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Baumwollweberei und Kattundruckerei waren im 18. Jahrhundert die Säulen der
Chemnitzer Wirtschaft. Die 5000 Einwohner lebten vorrangig von der Barchent- und Kanevasproduktion. Stetige Zunahme der Beschäftigten in der Weberei ist dafür Beleg: |
Mit der Zunahme der Zahl der Beschäftigten in der Weberei ging
auch eine Steigerung des Produktionsvolumens einher. Wurden im Jahre 1699 noch
18 957 Stück Gewebe hergestellt, so waren es 1731 bereits 41 218 Stück, wobei
ein Teil aus der Umgebung der Stadt stammte.
Hinzu kamen im gleichen Jahr noch 31 729 Ballen Stoffe eingeführte und teilweise
in der Stadt gestempelte Stoffballen, so dass 1731 72 947 Stück Gewebe
verschiedener Art aus Chemnitz auf den Markt kamen. Der für Wäsche- und
Futterstoffe verwendete Barchent, ein einseitig auf der Rückseite gerauhtes,
vorwiegend aus Baumwolle bestehendes Gewebe, wurde in Chemnitz seit 1675 in
doppelter Breite hergestellt.
Dieser Doppelbarchent, "Vierziger" genannt, war 40 Ellen (etwa 22,5 Meter) lang.
Je nach Qualitätsanforderung wurden gebleichtes Leinengarn und rohe smyrnaische
Baumwolle verarbeitet bzw. Flachsgarn und Baumwolle oder für die billigste Ware
nur Baumwolle verwendet. Kanevas, eine feine und glatte Ware, wurde entsprechend
dem Verwendungszweck aus Flachs-, Hanf- oder Baumwollgarn gewebt.
Kanevas stellte man in Chemnitz ebenfalls seit 1675 her, und zwar zunächst in
einer Länge von 24 Ellen (etwa 14,1 Meter), später von 22 1/2 Ellen. Die Breite
betrug eine Dreiviertelelle (etwa 0,4 Meter). Die Begutachtung der Waren
erfolgte nach strengen Maßstäben. Außerdem entwickelte sich in Chemnitz und
Umgebung die Strumpfwirkerei zum bedeutenden Erwerbszweig.
Besonders wichtig wurde die Kattundruckerei. 1770 führte der Bleicher und
Kolorist Georg Schlüssel die auf geschlossene Etablissements angewiesene
Kattundruckerei als Vorläuferin fabrikmäßiger Produktion ein. Dem folgte 1771
die Kattundruckerei Pflugbeil und Co., gekoppelt mit einem Verlag für Webwaren,
die ca. 20 Jahre später etwa 1200 Personen beschäftigte und 1799 erste Versuche
zum Einsatz von Maschinen unternahm.
| Sächsisches Manchester | |
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Bereits
1859 beschrieb Berthold Sigismund Chemnitz als "das sächsische Manchester": "... in Chemnitz sowohl als in der Umgegend walten die Fabrikgebäude vor, von denen nur einige der jüngsten das Bestreben offenbaren, neben der Zweckmäßigkeit auch die Schönheit zu berücksichtigen." |
Den Vergleich mit der englischen Industriemetropole legten die
Vielzahl der Schornsteine der Fabriken und Gießereien, die damit verbundene
Rauch- und Schmutzentwicklung sowie die miserablen sozialen Verhältnisse nahe.
Der Begriff "sächsisches Manchester" widerspiegelt aber auch den Stolz auf die
Leistungen der einheimischen Industrie, besonders des Maschinenbaus, die die
Vormacht der englischen Konkurrenten mehr und mehr zu brechen vermochte. Gerade
in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gelang dem Maschinen- und Lokomotivbauer
Richard Hartmann und dem Werkzeugmaschinenbauer Johann Zimmermann der Durchbruch
auf internationalem Parkett - auf den Weltausstellungen erhielten sie mehrfach
Preismedaillen für ihre Maschinen, die den englischen in keiner Weise mehr
nachstanden.
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